Design Thinking IN und FÜR HR

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Wie durch Kreativ-Methoden eine Employee Experience gestaltet werden kann, die kritisches Denken, Teamarbeit und Innovation fördert.

Von Lisa-Marie Anders

Einstieg

Design Thinking gilt als DAS Tool für Innovation und Kreativität – Aber warum? Die Corona-Krise hat viele Unternehmen spüren lassen, was eigentlich gemeint ist mit „sich rasant veränderndem Umfeld“ und „ständig wachsenden Anforderungen“, auf welche die Organisationen reagieren können müssen. Die Pandemie ist sicher eine Extremsituation, aber bezogen auf die Arbeitswelt hat sie Veränderungen, die bereits seit Jahren passieren, verdichtet und beschleunigt. Der digitale Wandel ist kein Neben-produkt der Pandemie, sondern bedeutet vielmehr tiefgreifende technologische, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklungen globalen Ausmaßes, die nicht nur das soziale Miteinander und die Art der Menschen zu leben beeinflussen, sondern auch die Arbeitswelt auf fundamentale Weise verändern. Die aktuelle Krise hat dies mehr denn je deutlich gemacht. Die Fähigkeit von Unternehmen, sich an neue und unvorhersehbare Situationen anzupassen, wird zum zentralen Erfolgsfaktor. Damit rücken auch die Menschen im Unternehmen stärker in den Fokus.

Je schneller sich die Unternehmenslandschaften und die Wissensexplosion wandeln, desto mehr werden Mitarbeitende gefragt sein, die in diesem Chaos der offenen Möglichkeiten neue Ideen entwickeln und die Fähigkeit besitzen, darin selbstorganisiert und kreativ zu handeln (vgl. Sauter et al. 2018). Dies erfordert neue Arbeitsweisen, die den Menschen im Unternehmen die Flexibilität ermöglichen, um mit den Unvorhersehbarkeiten einer dynamischen Umwelt besser umgehen zu können. Agile Methoden, wie beispielsweise Design Thinking, können dabei unterstützen.

Und genau hier kommen Sie als HR-Verantwortliche ins Spiel! Denn die Menschen im Unternehmen spielen in Ihrem Handeln und Wirken eine zentrale Rolle. Sie wollen wissen, wie Sie als HR-Verantwortliche in Ihren Teams kreative Impulse setzen können? Und wie Sie systematisch neue und bessere Ideen generieren können, bei denen die Menschen im Fokus stehen? Dann erfahren Sie hier mehr über die Methode Design Thinking und deren Einsatzmöglichkeit im HR.

Was ist Design Thinking (DT)?

„Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen“, heißt es beim Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI). Die Methode orientiert sich zunächst konsequent an den Kundenbedürfnissen und deren Nutzen, d.h. hier an denen der Mitarbeitenden und Führungskräfte. Erst im Anschluss werden die Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit eines Vorhabens betrachtet (vgl. Uebernickel et al. 2016). Design Thinker schauen durch die Brille des Nutzers auf das Problem und begeben sich somit in die Rolle des aktiven Anwenders. Im Mittelpunkt steht hierbei die stetige Rückkopplung zwischen dem Entwickler eines Lösungsansatzes und seiner Zielgruppe.

Der Prozess durchläuft sechs wesentliche Schritte, die nicht zwingend linear, sondern in Schleifen (Rückkopplung) durchlaufen werden (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1 Der Design Thinking-Prozess

design thinking

Quelle: Hasso-Plattner-Institut (HPI) 2021.

Die Prozessphasen im Design Thinking lassen sich wie folgt beschreiben:

• Verstehen: Was ist das Problem? Was ist der Hintergrund? Was ist die Zielgruppe?
• Beobachten: Welche Bedürfnisse und Wünsche hat die Zielgruppe? Wie „tickt“ sie?
• Sichtweise definieren: Definieren einer Sichtweise. Die zuvor gewonnenen Erkenntnisse werden zusammengetragen und verdichtet.
• Ideen finden: Das Team entwickelt zunächst eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten, um sich dann zu fokussieren.
• Prototypen entwickeln: Die Ideen werden in Form von ersten Prototypen greifbar und erlebbar gemacht.
• Testen: Die passenden Zielgruppen testen die Prototypen, um kurzfristig Feedback zum Lösungsansatz zu bekommen.

Das Design Thinking ist maßgeblich durch eine kollaborative Arbeits- und Denkkultur geprägt. Denn der menschenzentrierte Fokus erschöpft sich nicht nur in der Empathie für den Nutzer, der das entwickelte Produkt empfängt, sondern gilt auch in der Gestaltung des Arbeitsprozesses bzw. -umfeldes für das daran arbeitende Team.

Daraus ergeben sich die folgenden drei Kernelemente des Design Thinking:

• multidisziplinäre Teams
• variable Räume
• Design Thinking Prozess (HPI 2021).

Warum Design Thinking im HR nutzen?

Design Thinking wird in Unternehmen, Organisationen und Institutionen in vielfältiger Weise angewandt. Während manche die Methode vorrangig als Ansatz zur Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen sehen, nutzen andere es vor allem zur kulturellen Entwicklung, als Denk- und Sinnesart im Umgang mit Kunden, den eigenen Produkten oder den Mitarbeitenden oder auch als Prozess zur strategischen Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Design Thinking wird, kurz gesagt, überall dort eingesetzt, wo menschliche Probleme, Bedürfnisse und Blickwinkel eine Rolle spielen.

Design Thinking ist kein Allheilmittel, aber kann ein wichtiger Baustein für Ihre HR-Arbeit sein. Dennoch wirkt sich die Vorgehensweise nachweislich auf die Individuen und Teams in Ihrem Unternehmen aus. Wie eine Studie der Professorin der University of Virginia Jeanne Liedtka (2018) ergeben hat, stärkt die Anwendung von Design Thinking die Vertrauensbildung im Team und in der Organisation.
Die strukturierte, vereinfachende Vorgehensweise wirkt sich zudem auf das individuelle, psychologische Sicherheitsempfinden aus, indem die Wertschätzung aller Meinungen, Haltungen und Ideen dem Einzelnen dabei hilft, die kognitive Komplexität des Alltags zu bewältigen.
Durch den lösungs- und ressourcenorientierten Denkansatz unterstützt die Methodik dabei, die Qualität und das (Selbst-) Vertrauen des Einzelnen zu verbessern. Die einzelnen Teammitglieder erleben einen Raum, um voneinander zu lernen und zu wachsen. Dabei kann der Ansatz auch helfen, Konflikte zu managen. Design Thinking wirkt sich auch auf die Verlässlichkeit in Teamprozessen aus, indem Absprachen eingehalten werden, und das Team sich gegenseitig unterstützt. Hierbei helfen vor allem die klaren Regeln und Rollenverteilungen (Zeitmanagement, Moderation, Dokumentation, wie und wann wird kommuniziert?).

Der Einsatz der Methode im HR Bereich hat sich in den vergangenen Jahren unter der Überschrift Employee Experience Design (EXD) etabliert. Der Grundgedanke des Konzepts ist, dass Sie als HR Verantwortliche mit der Design Thinking Methode ein besseres Mitarbeitererlebnis gestalten können. Die Methode hilft Ihnen dabei systematisch, neue und bessere Ideen zu generieren und dabei die Bedürfnisse Ihrer (internen) Kunden zu verstehen, auf diesem Verstehen basierende Lösungsansätze zu entwickeln, frühzeitig Feedback einzuholen und somit Tools zu entwickeln, die auf die Probleme und Bedürfnisse Ihrer Kunden (Nutzer) einzahlen. Indem Sie als HR Verantwortliche für eine verbesserte Employee Experience sorgen, binden sie die Mitarbeitenden stärker an Ihr Unternehmen. Somit stärken Sie die Gestaltung Ihrer Organisation von innen heraus.

Worauf kommt es an, um Design Thinking zu etablieren?

Um Design Thinking im Unternehmen zu etablieren, kommt es auf verschiedene Faktoren an. Jeanne Liedtka (2014) hebt vor allem den Mut, die Offenheit und Bereitschaft des Managements im Unternehmen als wesentlichen Faktor hervor. Auch ein gemeinsam geteiltes Wertesystem als Basis für die Zusammenarbeit im Team spielt eine wesentliche Rolle.

Bei der Projektauswahl gibt es einige entscheidende Voraussetzungen für das Gelingen eines Design Thinking-Prozesses. Die Frage lautet: Was ist ein gutes Design Thinking-Projekt?

 Hat etwas mit Menschen zu tun,
 Problem unklar, Lösung unklar; oder:
 Lösung (scheinbar) klar, aber Problem unklar,
 Offenheit für Entdeckungen vorhanden,
 Kollaboration im Team möglich.

Schlussendlich kommt es auf Ihren Mut an, neue Wege in der HR-Arbeit zu gehen. Wer sich heute entscheidet loszulaufen und sich dabei mutig menschenzentrierter Tools bedient, kann nur gewinnen.

Wünschen Sie eine Beratung und/oder Begleitung zum Thema Kreativmethoden im HR Kontext? Dann sprechen Sie uns gerne an!

Tel. +49 531 180 59 300

E-Mail mailto:info@profilhochzwei.de

Quellen:

Hasso-Plattner-Institut (HPI) (2021): Was ist Design Thinking?
https://hpi-academy.de/design-thinking/was-ist-design-thinking.html

Liedtka, J. (2018): Exploring the impact of Design Thinking in action. Darden Working Paper Series. University of Virginia, USA.

Uebernickel, F., Brenner, W., Naef, T., Pukall, B. & Schindlholzer, B. (2016): Design Thinking. Das Handbuch. Frankfurt: Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Sauter, R., Sauter, W. & Wolfig, R. (2018): Agile Werte- und Kompetenz-entwicklung. Wege in eine neue Arbeitswelt. Berlin: Springer Gabler.

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